Planung + Realisierung

Das "Sporthaus Dubrow-Prierosbrück" wurde 1928/29 nach einem Entwurf des Architekten Paul Baumgarten ausgeführt und gehört zu dessen frühesten Werken. Der Bauauftrag ging laut Werkkatalog der Akademie der Künste, Berlin, aus einem Wettbewerb hervor, ohne dass ein Nachweis gegeben wird. Diese Angabe scheint in Anbetracht des privaten Bauauftrags unwahrscheinlich. Veröffentlicht wurde das Sporthaus 1932 in der Bauwelt, Heft 7, Seite 6. Eigentümerin des Grundstücks und Bauherrin war Charlotte Baske`- Michelet. Sie hatte das Grundstück im September 1928 erworben und wurde am 16. Oktober 1928 in das Grundbuch eingetragen.

[Quelle: Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege, Frau Dr. Sybille Gramlich]

[Sporthaus Dubrow um 1930, Gartenansicht. Aufn. u. Verlag: Paul Kindler, Berlin Karlshorst, Treskow-Allee 107.Eigentum: R. Saalfeld]
[Sporthaus Dubrow um 1930, Gartenansicht. Aufn. u. Verlag: Paul Kindler, Berlin Karlshorst, Treskow-Allee 107.Eigentum: R. Saalfeld]
[Sporthaus Dubrow um 1930, Luftbild 9853. Industrie-Fotografen Klinke & Co., Berlin, Flughafen. Eigentum: R. Saalfeld]
[Sporthaus Dubrow um 1930, Luftbild 9853. Industrie-Fotografen Klinke & Co., Berlin, Flughafen. Eigentum: R. Saalfeld]

[Quelle und Freigabe: BAUWELT 1932, Heft 7, S.6]
[Quelle und Freigabe: BAUWELT 1932, Heft 7, S.6]

Das Sporthaus Dubrow wurde 1928 erbaut, um den Wassersportlern, die zahlreich die Seenkette der Dahme zwischen Königswusterhausen und Teupitz befahren, eine Unterkunft auch bei mehrtägigen Fahrten zu verschaffen. Das Haus ist also in erster Linie ein Wochenendhotel für Segler und Ruderer, wird aber auch von Autoausflüglern und Wanderen viel besucht.

            Die Hauptseite des Gebäudes liegt dem See zu nach Südosten, an der Nordwestseite ist ein Hof mit Autounterständen und Nebenräumen, Garagen und Pförtnerwohnung angeordnet, die Westseite des Grundstücks schliesst ein Bootshaus für Boote mit anschliessenden Brause- und Umkleideräumen ab.

            Beim Entwurf wurde auf klare Trennung zwischen Wohnteil des Verwalters, dem gemeinschaftlichen Aufenthaltsraum und dem eigentlichen Unterkunftshaus geachtet. Aus diesem Programm ergaben sich auch die Höhengliederungen des Hauptbaues.

            Das Unterkunftshaus liegt abseits vom Lärm des Saales und erhält in zwei Stockwerken zusammen 20 Zimmer mit je 2 Betten, im zweiten und dritten Stockwerk je einen Schlafsaal für Jugendvereine. Das Hauptgebäude, Garage und Pförtnerhaus sind massiv in Ziegelbau, das Bootshaus und die Autounterstände in Holz erbaut. Die Gesamtanlage ist mit Sammelheizung und Warmwasserversorgung versehen.

[Quelle: Bauwelt 1932 Heft 7, S. 6]

[Luftbild 14225, Vogelperspektive. Eigentum R. Saalfeld]
[Luftbild 14225, Vogelperspektive. Eigentum R. Saalfeld]
[AK Vorderansicht. Eigentum: R. Saalfeld]
[AK Vorderansicht. Eigentum: R. Saalfeld]
[Foto: Ansicht Seeseite. RS: handschriftlich "1941" Eigentum: R. Saalfeld]
[Foto: Ansicht Seeseite. RS: handschriftlich "1941" Eigentum: R. Saalfeld]

Der Architekt Paul Baumgarten war nach seiner Ausbildung im Atelier der Berliner Architekten Mebes & Emmerich von 1924-31 tätig. Während dieser Zeit nahm er selbstständig und unter seinem Namen an Wettbewerben teil sowie bearbeitete private Aufträge. Die Planung des Sporthauses Dobrow scheint zwischen beiden Varianten zu liegen.

          Baumgarten bewegt sich mit seinem realisierten Entwurf zwischen radikalen Maximen der "Neuen Sachlichkeit" und dem eher bodenständigen, aber dennoch dem "Modernen Bauen" zugewandten Gestaltungsprinzipien seines Arbeitgebers.

          Das Sporthaus Dubrow zeigt mit seiner dynamischen asymetrischen Baumassenverteilung, die sich aus den inneren Funktionsabläufen entwickelt, den weissen Putzflächen und angedeuteden horizontalen Fensterbändern typische Attribute der Bauhaus-Idee. Zur gleichen Zeit entstanden Werke von gleichgesinnten Kollegen, die mit z.B. transparenten vorgesetzten Glasflächen die Dominanz von Mauerwerk brechen und mit der so erzielten Leichtigkeit eine Zäsur zur traditionellen Baukunst schaffen. Mebes & Emmerich als "Lehrmeister" von Baumgarten lösen sich vorsichtig von historisch überladenen Gestaltungsprinzipien, ohne jedoch konsequent auf Elemente wie z.B. Steildach und Fensterläden verzichten zu wollen. So bedienen sie in ihrer Schaffensweise zwei Stilrichtungen. Baumgarten schafft einen Kompromiss zwischen dem Flachdach von Gropius und dem Steildach von Mebes mit leichtgeneigten Walmdächern. Die aufgeklappten Fensterläden als dekoratives Beiwerk des Unterkunft-Traktes suggerien optisch ein Fensterband, das aber in der Mauerwerksfassade seine Wirkung nicht entfalten kann.

          Bisher ungeklärt ist die Evolution der seeseitigen Wandabwicklung der ursprünglichen kleinen Rezeption im Erdgeschoss des Treppenturms. Die orginär ausgeführten zwei Rechteckfenster wurden in der Zeit der RSSS von einem grossen runden Panoramafenster ersetzt. Als klassisches Stilelement des "Neuen Bauens" waren Attribute der internationalen Architektur in der NS-Zeit unerwünscht und nicht genehmigungsfähig. Nach Kriegsende wurde auch dieses starke Bauhaus-Element mit martimen Charakter durch ein einfaches Rechteckfenster in der heutigen Form ersetzt.

[Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin, Königswusterhauserner Zeitung 1929]
[Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin, Königswusterhauserner Zeitung 1929]

ERÖFFNUNG DES SPORTHAUSES DUBROW ZU OSTERN 1929

 

Transcipt Königwusterhausener Zeitung 14. Juni 1929

 

„Sporthaus Dubrow“ Eldorado im Dubrowwalde. In Prierosbrück (Kreis Teltow), an einem Flüsschen, Huschte genannt, inmitten märkischen Waldes wurde im Frühjahr ein wundervolles, allen neuzeitlichen Anforderungen entsprechendes Sporthaus errichtet und zu Ostern inoffiziell in Betrieb genommen: „Sporthaus Dubrow“. Staunen entringt sich dem Näherkommenden, der, nachdem er, von der Gräbendorf-Prieroser Chaussee rechts abbiegend, den Waldweg passiert hat und des Schlohweisssen, langgestreckten, in moderner Architektur ausgeführten Gebäudes ansichtig wird.


Hier schaltet und waltet Frau Ch. Baske`=Michelet – nota bene eine frühere Villenbesitzerin von Königswusterhausen=Neue Mühle. Gerne folgt man der freundlichen Einladung zu einer Besichtigung der Innenräume. Parterre ein geräumiger Speisesaal mit Bufett (volle Konzession), ein Gesellschaftszimmer, zehn blitzsaubere, helle Doppelzimmer mit je zwei Betten, ferner Kontor und Privaträume. Der erste Stock birgt zehn weitere Doppelzimmer, einen Frauenschlafsaal für 19 Personen, und in der zweiten Etage befindet sich ein Schlafsaal für 19 Männer und Personalräume. Selbstverständlich fehlen Wasch= und Baderäume (fliessendes Wasser ist vorhanden) und Toiletten in beiden Stockwerken nicht. In allen Räumen Zentralheizung, eigene Lichterzeugung, Feuerlöschanlage, telephonische Verbindung bei Tag und Nacht wären weitere Vorzüge des Neubaus, der sich zu einem der besteingerichteten Sporthäuser zählen kann. In dem geräumigen Garten finden Hunderte Unterkunft.

[AK: Graph. Anstalt W. Meyerheim, Berlin C 2. Archiv R. Saalfeld]
[AK: Graph. Anstalt W. Meyerheim, Berlin C 2. Archiv R. Saalfeld]

[AK:  Jannowitzbrücke Berlin mit Dampferanlegestelle um 1929, Archiv R. Saalfeld]
[AK: Jannowitzbrücke Berlin mit Dampferanlegestelle um 1929, Archiv R. Saalfeld]

Am Wasser ein Dampferanlegesteg; denn dreimal wöchentlich hat man hier direkte Dampferverbindung von Berlin=Jannowitzbrücke. Ein Bootshaus mit schwimmendem Steg nimmt 60 Boote auf. Auch für Motorboote ist Anlegemöglichkeit vorhanden. Und noch mehr. Im Nebengebäude, das die Lichterzeugungsmaschinen und die Wasserpumpe enthält, findet man auch Autogaragen, eine Reparaturwerkstatt, Tankstelle.


 

 

Eine angenehme Neuerung ist, dass Wassersportler, die in die Dubrow fahren und morgens ein Mittagsmahl bestellen, dasselbe per Motorboot mit besonderer Einrichtung nachgeliefert erhalten. Auswärtige Gäste werden vom Bahnhof Königswusterhausen per Auto abgeholt. Zum Schluss sei erwähnt, dass das „Sporthaus Dubrow“ auch im Winter geöffnet bleibt und Wintersportveranstaltungen treffen wird. vi.

[Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin. Königswusterhausener Zeitung1929]

[Foto: "Opel", handschriftlich "Königswusterhausen im März 1929. Archiv R. Saalfeld]]
[Foto: "Opel", handschriftlich "Königswusterhausen im März 1929. Archiv R. Saalfeld]]

BESTANDSZEICHNUNGEN 1980


[Quelle: Baufererat Baukonstruktion, Baureparatur und Rekonstruktion]
[Quelle: Baufererat Baukonstruktion, Baureparatur und Rekonstruktion]