KUNST AM BAU

Die Idee und der Begriff „Kunst am Bau“ wurde nach dem Ende des I. Weltkrieges geprägt und 1919 von der Weimarer Reichsverfassung abgeleitet. Demnach sollte die Not von Künstlern durch die Beteiligung an öffentlichen Bauaufträgen gelindert werden. Ein Erlass von 1928 bekräftigte diese Linie. Im „Dritten Reich“ wurde der „Kunst am Bau“ Gedanke in einem erneuten Erlass 1934 über die Beteiligung bildender Künstler und Handwerker an öffentlichen Bauten umgesetzt. Nach dem Ende des II. Weltkrieges gehörte das „Sporthaus Dubrow“ zur sowjetisch besetzten Zone, die in der DDR aufging. Eine Anordnung aus dem Jahr 1952 sah auch hier eine Verknüpfung von bildender Kunst und Architektur vor. In der geschichtlichen Abfolge gab es keine rechtliche Verpflichtung von privaten Bauherren zur Verwendung eines angemessenen Betrages zur künstlerischen Aufwertung ihres Bauwerks, wenngleich dieser Gedanke auch von "kunstaffinen Personen" aufgegriffen wurde.

 

Das „Sporthaus Dubrow“ ging 1928 von einer privaten Einrichtung als Herberge für Wanderer und Sportler mit Bezug zur Öffentlichkeit in parteipolitische Nutzungen mit staatlicher Verwurzelung über. Nach der Wiedervereinigung befindet sich die Anlage im Besitz des Senats Berlin und wird von einer privaten Freizeiteinrichtung nach eigenen, auch künstlerischen, Vorstellungen betrieben.

 

Der Ursprungsbegriff „Kunst am Bau“ mit der Definition eines permanent im oder am Bau befindlichen Werkes sowie auf dem dazugehörigen Grundstücks wird bei der Betrachtung des „Sporthauses Dubrow“ um verwobene Formen erweitert. Grundsätzlich kann festgestellt werden, dass in allen Nutzungsphasen die „Kunst am Bau“ primär dem „Mittel zum Zweck“ geopfert wurde. Die Auswahl der Künstler, der Themen und die formale Umsetzung wurde von staatlichen Institutionen entschieden und kontrolliert, um eine bestimmte ideologisch unterlegte Propaganda zu vermitteln.

 

Zur Analyse der „Kunst am Bau“ Werke des „Sporthauses Dubrow“ bzw. der nicht unter diesen Begriff fallenden visuellen Applikationen ist eine Klassifizierung notwendig. Die spezifischen Elemente der Architektur des „Neuen Bauens“ greifen nicht in die „Kunst am Bau“ ein und werden an anderer Stelle beschrieben.

 

KUNST AM BAU                      DEKOR AM BAU

Malerei : Wandgemälde              Werbung/Propaganda

Kunstverglasung: Glasmosaik        Beflaggung

Bildhauerei: Bronze Skulptur

WANDGEMÄLDE


Der Prototyp des 1. Wandgemäldes zur Eröffnung der Reichsseesportschule „Gorch Fock“ im Dezember 1935 erhebt keinen künstlerischen Anspruch und wurde wahrscheinlich unter Zeitdruck aufgetragen. Die dominierende Schrift schafft eine unruhige Ansicht über dem Haupteingang. Zur Eröffnung wurde das Schriftbild mit einer dachförmigen Girlande beschmückt (siehe spiegel.de „Eines Tages“).

 

Die 2. Version bedient sich des Reichsadlers in Verbindung mit dem rautenförmigen HJ-Emblem. Nach einem Erlass des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda 1934 durften Hoheitssymbole wie z.B. Plastiken des Reichsadlers an öffentlichen Gebäuden nur von Künstlerhand geschaffen sein und nicht aus vorgefertigter Serienproduktion stammen. Es darf also auf hier von einem zweidimensionalen Unikat eines Handwerkers(Malers) oder Künstlers aus eigener Hand ohne Schablonenvorlage ausgegangen werden.

 

Die 3. Version des plakativen Wandgemäldes als Identikationsmerkmal der seemännischen HJ-Ausbildung mit der Würdigung des Namenspatron „Georg Fock“ erfuhr durch eine farblich abgesetzte Umrandung die optische Nähe zu einem Gemälde.

 

Vermutlich noch vor Gründung der DDR nahm sich die FDJ des geplünderten Gebäudes an und plazierte ihr FDJ Emblem einer „im Osten aufgehenden Sonne“.

 

Aus bauhistorischer Sicht bietet auch diese Fassadenfläche Archäologen und Restauratoren eine interessante Forschungsmöglichkeit, wenn der politische Wille zur umfassenden Dokumentation, die mit schmerzlicher Vergangenheit behaftet ist, sich einstellt.

 GLASMOSAIK


Zur Betrachtung des Glasmosaiks in der „Ehrenhalle“ der Reichsseesportschule muss der 7,5 qm grosse Raum mit ein bzw. vormals zwei Fensteröffnungen mituntersucht werden. Ursprünglich wurde eine kleine Rezeption mit zwei Schreibplätzen vor Fenstern geplant und ausgeführt. Ein frühes Bild mit dem Biergarten im Vordergrund zeigt zwei rechteckige Öffnungen, deren rohe Laibungen anscheinend noch nicht mit Fenstern ausgefüllt waren. In der Aufbauphase der Reichsseesportschule wurden dann die doppelflügeligen Holzfenster zunächst beibehalten. Auf dem Foto ist das linke Fenster durch einen Signalwimpel verdeckt. Die die „Kunst am Bau“ tangierende Bleiverglasung wurde als dominierendes maritimes „Stilmerkmal“ wie identitätsstiftendes Element in den kleinen Raum, jetzt als Ehrenhalle, integriert. Mit berechnender Rücksicht auf die noch jungen Matrosen, die in der Mehrzahl wohl eher an eine Karriere in der Seefahrt dachten, rückte der Führerkult mit seiner todessüchtigen Ideologie zugunsten einer heldenhaften Verehrung des Schriftstellers Johann Kinau in den Hintergrund. Alias „Gorch Fock“ ist J. Kinau als Matrose auf dem Kreuzer SMS Wiesbaden 1916 in der Seeschlacht am Skagerrak umgekommen. Sein Leichnam wurde auf der unbewohnten schwedischen Insel Stensholmen angespült und begraben. Die Ehrenhalle zelebriert die grösste Seeschacht des I. Weltkrieges zwischen der Deutschen Hochseeflotte und der Royal Navy. In den verglasten Vitrinen das Modell des Segelschulschiffes „Gorch Fock“ und des gesunkenen Kreuzers Wiesbaden.

 

Spätestens mit der verstärkten Einflussnahme der SED auf die Aktivitäten der FDJ wurde das Gebäude „restauriert“. Was noch von Plünderung und Vandalismus der frühen Nachkriegszeit an Bausubstanz und Merkmalen der NS-Zeit vorhanden war, wurde den neuen Erfordernissen angepasst. Die „Ehrenhalle“ wurde getilgt und das runde Bullauge musste einem neuen aussagelosen Fenster weichen. Im „Neuen Deutschland“ wird ein „Gedenkzimmer“ zur Würdigung von Ernst Thälmann erwähnt, der hier seine legendäre Tagung abhielt. Die Lage des Zimmers im Gebäude kann nur durch Zeitzeugen oder Überlieferungen lokalisiert werden. Hinweise dazu fehlen bislang, jedoch wäre die „Umnutzung“ der ehemaligen „Ehrenhalle“ aus politischen Gründen logisch.

 

Der heutige Zustand zeigt das vergitterte Fenster umgeben von einem „farbenfrohen Fassadenanstrich“.

SKULPTUR


DIE ERNST THÄLMANN BÜSTE

 

Die überhöhte Thälmann Darstellung in der DDR war Teil der Staatsdoktrin und programmatischer Märtyrerkult. Dabei stand die Erziehung von Heranwachsenden zu systemfesten Dienern auf der Grundlage der Ideologie der Kommunistisches Partei im Vordergrund. Thälmann als antikapitalistische und antifaschistische Leitfigur begleitete die Ausbildung und die staatlich geplante Freizeit mit dem Ziel einer erhofften unerschütterlichen Grundhaltung zum "Arbeiter- und Bauernstaat". Gedenkstätten, Skulpturen und Tafeln waren ein "Muss" in Lagern, Schulen und Plätzen. Nach 40 Jahren wurde auch diese Bronze Büste angeblich zerstört oder an einem sicheren Ort eingelagert. Der Denkmalschutz wurde 2017 aus der Liste ausgetragen. Der Autor forscht weiterhin nach der Identität des Bildhauers und den näheren Umständen des Verbleibs. Dabei soll die freundliche Unterstützung des "Johannes Rogge Museums"

www.rogge-museum.de erwähnt werden. J. Rogge mit seinem Wirken in der NS-Zeit und nach 1945 in der DDR tangiert mit seiner diametralen Biografie stark die geschichtliche Abfolge des "Sporthauses Dubrow".

AUTOR

Dipl. Ing. Architekt

Reinhard Saalfeld

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Huschtesee

Prierosbrück

Brandenburg

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Vom Sporthaus Dubrow 1928 zum

Freizeitcamp Prieros 2017

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