Der Widerstand an der Schmölde

Um 1930 formierte sich der Widerstand gegen sich verfestigende faschistische Strukturen der NS-Bewegung. Aus Schülern und Lehrern der "Scharfenberger Schulfarm" arrangierte sich ein loses Netzwerk mit Diskussionen und Freizeitaktivitäten, das in den folgenden Jahren als "Berliner Gruppe" mit Flugblattaktionen, Spionage und durch den Aufbau eines Funknetzes nach Russland in den aktiven Widerstand überging. Mitglieder dieser Gruppe werden der "Roten Kapelle" , ein von der Gestapo geprägter Sammelbegriff von Gegnern des NS-Regimes, zugeordnet. Im Gegensatz zu den meisten seiner Mitstreiter ist Heinrich Scheel durch eine von ihm gut vorbereitete und geschickte Verteidigung vor dem Reichskriegsgericht der Todesstrafe entgangen.

 

Foto oben: "Schützenfest" 1934 an der Schmölde. Ehemalige "Scharfenberger Schüler" u.a. Heinrich Scheel, Hans Lautenschläger, Nik Kruyt, Helmut Woldt, Hermann Natterodt......

 

Foto unten: Heinrich Scheel 1934 vor dem Pferdestall an der Schmölde als Indianer mit Friedenspfeife.

 

Heinrich Scheel erwähnt in seinem Buch "Vor den Schranken des Reichskriegsgerichts" keinen direkten Zusammenhang zum damaligen "Sporthaus Dubrow" auf der anderen Seite der Schmölde in Prierosbrück. Jedoch sprechen starke Indizien dafür, dass ihm im Sommer 1934 das markante Gebäude am Huschtesee bekannt war. Die Hakenkreuzfahne war weithin sichtbar. Zu dieser Zeit hatte die SA da ihr Seesport-Übungslager eingerichtet, dem man besser aus dem Wege ging. Auch lassen belegbare Kontakte zur kommunistischen Fichte-Jugend, die das Gebäude ca. ein Jahr vor der SA nutzte, die Vermutung zu, dass den "Scharfenberger" Schülern die Bedeutung des Ausbildungslagers während Ihrer "Pferdestall-Zeit" bewusst war.

Seit Sommer 1934 stand uns unser Wochenend-und Ferienlager an der Schmölde zur Verfügung. Hier hatten wir bei einem unserer Streifzüge mit dem Fahrrad eine verfallene Notunterkunft für Pferde entdeckt, denen bei Bestellarbeiten auf dem nahen Acker der 4 km lange Weg nach Prieros erspart sein sollte. Der Schuppen wurde von uns einigermassen regenfest und verschliessbar gemacht. Auf dem ausgelegten Stroh konnten ein Dutzend Leute die Nacht verbringen. Allmählich brachten wir es auch zu einer Flottille von drei bis vier Booten, die wir bei einem Bootsbauer in Prieros unterstellten. Ungezählte Sonnabende habe ich mich nach Schulschluss auf das Rad geschwungen und die 50 km zur Schmölde unter die Pedale genommen.

[Heinrich Scheel, Vor den Schranken des Reichskriegsgerichts. Zitat: Seite 111, ff]

 

Meinen herzlichen Dank an Peter-Timm Scheel, Sohn von Heinrich Scheel, der mir in einem informativen Telefongespräch das Recht auf Zitieren und Veröffentlichung der Fotos zugestanden hat.